PETG ist ein vielseitiges Filament, aber es verhält sich beim Drucken anders als PLA. Mit den richtigen Einstellungen bekommst du robuste und zuverlässige Teile. Mit den falschen Einstellungen kann daraus allerdings schnell eine große Spaghetti-Berglandschaft werden. In diesem Leitfaden zeige ich dir, worauf es beim PETG-Drucken ankommt.
Worin unterscheidet sich PETG von PLA?
PETG ist stärker und zäher als PLA und bleibt bis ungefähr 70 °C formstabil. PLA liegt eher bei etwa 55 bis 60 °C. Dafür druckst du PETG heißer, mit weniger Kühlung, und musst häufiger mit Stringing rechnen. Die grundlegenden Unterschiede beim PLA findest du in unseren PLA-Filament-Tipps.
Tipp 1: Die richtige PETG-Temperatur
Die passende PETG-Temperatur hängt vom Material und deinem Drucker ab. Als Startpunkt kannst du dich an diesen Werten orientieren:
| Filament | Düsentemperatur | Druckbett |
|---|---|---|
| Fiberlogy Easy PETG | 230 bis 250 °C | 90 °C |
| Fiberlogy R PETG | 210 bis 230 °C | 50 bis 70 °C |
| Fill 3D PETG | 230 bis 260 °C | 0 bis 80 °C |
| PETG Matte | 250 bis 270 °C | Produktangabe beachten |
| PCTG | 250 bis 270 °C | 90 bis 110 °C |
Bei Fill 3D PETG ist ein Druck ohne beheiztes Bett möglich, wenn du 3DLAC-Haftspray verwendest. Die exakten Werte stehen immer beim jeweiligen Produkt. Starte in der Mitte des angegebenen Bereichs und drucke anschließend einen Temperaturturm. So findest du heraus, welche Einstellung für deinen Drucker am saubersten funktioniert.
Tipp 2: Erste Schicht und Haftung
PETG kann auf glattem PEI so stark haften, dass die Oberfläche beschädigt wird. Eine strukturierte PEI-Platte oder eine Trennschicht aus Klebestift beziehungsweise Haftspray ist deshalb sinnvoll. Weitere Hinweise findest du unter Druckbett-Haftung. Reinige das Bett vorher fettfrei mit Isopropanol.
Drücke die erste Schicht außerdem nicht so flach wie bei PLA. Eine etwas größere Z-Offset-Einstellung kann verhindern, dass das Material zu stark in die Oberfläche gepresst wird.
Tipp 3: Kühlung richtig einstellen
Beginne bei etwa 30 bis 50 % Bauteilkühlung. Zu viel Kühlung kann die Layerhaftung schwächen. Bei Brücken darfst du die Kühlung vorübergehend erhöhen. Eine geschlossene Druckerhaube ist für normales PETG nicht notwendig.
Tipp 4: PETG-Stringing reduzieren
PETG ist im flüssigen Zustand dünnflüssiger als PLA und zieht deshalb gern Fäden. Trockne das Filament, probiere eine um 5 bis 10 °C niedrigere Temperatur und stelle die Retraktion passend ein. Reduziere außerdem Leerfahrten über offene Bereiche. Easy PETG wurde entwickelt, um Stringing zu begrenzen. Wenn es trotzdem überall Fäden gibt, hilft unser Artikel Häufige Probleme beim 3D-Drucken lösen.
Tipp 5: PETG trocknen
Knistern, kleine Blasen, eine raue Oberfläche und viele Fäden sind typische Anzeichen für feuchtes Filament. Trockne PETG etwa 4 bis 6 Stunden bei ungefähr 65 °C in einem Filamenttrockner. Bewahre die Rolle danach zusammen mit Silica-Gel auf. Mehr dazu liest du unter Filament lagern und trocknen.
Tipp 6: Die richtige Düse für verstärkte Filamente
Für PETG + CF sowie PCTG + CF oder PCTG + GF solltest du eine gehärtete Stahldüse verwenden. Die Fasern können eine normale Messingdüse deutlich schneller abnutzen.
Nachbearbeitung von PETG
PETG lässt sich schleifen. Nassschleifen funktioniert dabei angenehm und reduziert Staub. Wenn du das Teil lackieren möchtest, trage zuerst eine Kunststoffgrundierung auf. Danach hält der Lack besser und die Oberfläche wird gleichmäßiger.
Wann ist Standard-PETG nicht die beste Wahl?
- PCTG: Wenn du mehr Schlagfestigkeit brauchst, findest du Informationen unter PCTG und im Artikel PCTG oder PETG.
- PETG Matte: Für eine matte Oberflächenoptik gibt es PETG Matte.
- ASA: Für Sonnenlicht und höhere Temperaturen ist ASA oft die passendere Richtung.
- PETG + CF: Wenn das Bauteil steifer werden soll, ist PETG + CF interessant.
Welches PETG passt zu dir?
Das hängt davon ab, ob du vor allem einfache Verarbeitung, eine matte Oberfläche, mehr Schlagfestigkeit oder zusätzliche Steifigkeit suchst. Einen Überblick findest du bei PETG-Filament und in der Kategorie PETG.
Ich hoffe, diese Tipps helfen dir beim PETG-Drucken weiter. Ganz ehrlich: Auch mit guten Einstellungen kann einmal ein Druck misslingen. Das gehört leider dazu. Viel Spaß beim Drucken!








