Ganz gelegentlich bekomme ich eine E-Mail von Leuten, die beim Drucken ihres 3D-Objekts auf Probleme stoßen. Oft längst nicht so schlimm wie auf dem Bild bei diesem Blog, aber ein bisschen Aufmerksamkeit erregen ist ja auch schön! In 99 % der Fälle liegt das nicht am Filament, das entweder bei 3D Fanshop oder bei Kollegenverkäufern gekauft wurde. Meist ist noch nicht sehr viel Erfahrung mit dem 3D-Druck gesammelt worden und viele dieser Fragen sind für diese Person neu. Im Allgemeinen lassen sich viele der Probleme mit ein paar Kenntnissen und Kniffen einfach lösen. Jeder stößt am Anfang auf diese Dinge, und indem du Probleme erlebst und sie wieder löst, lernst du deinen 3D-Drucker und die Technik am besten kennen. Übung macht den Meister.

3D-Drucker, ein komplexes Zusammenspiel

Sieh dir deinen 3D-Drucker einmal genau an: Es ist ein sehr umfangreiches Gerät mit vielen (Stepper-)Motoren und Übersetzungen, Elektronik, Verkabelung, den verschiedenen Achsen, einem Mainboard unter der Haube, einem Hotend mit Nozzle und eventuell einem Bowden-Tube (dem Röhrchen, durch das dein Filament vom Extruder zum Hotend transportiert wird). Erst wenn all diese Komponenten reibungslos aneinander anschließen und zusammenarbeiten, ist dein Druck erfolgreich. Es gibt also einige Momente, in denen etwas Rauschen auf der Leitung entstehen kann.

Sorge dafür, dass du deinen Drucker, wenn du ihn ins Haus geholt hast, sorgfältig zusammenbaust. Es gibt Drucker, die schon halb montiert ankommen, und andere, die du komplett von Grund auf aufbauen musst. Sieh dir die Anleitung genau an — und was mir sehr geholfen hat, ist das Anschauen der diversen Montagevideos auf YouTube. Jeder Millimeter Abweichung kann später für eine Unebenheit in deinem Druck sorgen. In vielen Fällen ist es klug, die bereits montierten Teile ebenfalls gut zu überprüfen und wo nötig nachzustellen. Sorge für das richtige Werkzeug und die richtigen Hilfsmittel, um alles sauber zu montieren. Denk dabei an das exakt rechtwinklige Ausrichten der verschiedenen Rahmenteile, das Spannen der Antriebsriemen, das Schmieren und Einstellen der Räder, Lager und Führungen und alle anderen wesentlichen Dinge.

Gib deinem Drucker auch nach der Montage regelmäßig eine Wartung! Du kannst dann alles wieder einfetten, Staub und Schmutz von den Achsen und Rädern entfernen und die Riemen bei Bedarf wieder spannen.

Bed Levelling, eine zeitraubende Arbeit — oder doch nicht?

Sehr wichtig, und vielleicht das Allerwichtigste, für einen erfolgreichen Druck ist das Leveln des Betts. Also das Einstellen der Druckoberfläche zur Nozzle. Das Druckbett muss nicht unbedingt zu 100 % waagerecht sein — idealerweise schon —, aber es geht darum, dass die Nozzle zu jedem Zeitpunkt des Druckens im gleichen, richtigen Abstand zum Bett steht. Es ist also wichtig, dass du genau weißt, wie du dein Bett einstellen kannst. Bei vielen Druckern geschieht das mit großen Drehknöpfen, die dein Druckbett nach oben und unten bewegen können. Pass gut auf, denn wenn du die eine Ecke richtig eingestellt hast, wirst du sehen, dass du die andere Ecke wieder etwas nachstellen musst. Mein Tipp: Mach keine allzu großen Veränderungen, sondern geh mehrmals um das Bett herum. Verwende ein dünnes Papier (zum Beispiel ein A4-Blatt aus dem normalen Drucker) und sorge dafür, dass die Nozzle es berührt. Du musst das Papier noch bewegen können; klemmt es fest, dann steht die Nozzle zu niedrig. Meine Erfahrung ist, dass die Nozzle auf der richtigen Höhe steht, wenn sie ein wenig über das Papier schabt.

Weil ein Druckbett oft bei jedem Druck aufs Neue erwärmt wird, arbeitet auch das Material, aus dem es gemacht ist. Dadurch ist es nötig, das Bett nach einigen Drucken (oder manchmal nach jedem Druck) erneut zu leveln.

Es sind verschiedene Hilfsmittel zu kaufen, die das Leben beim Leveln deines Heated Bed deutlich einfacher machen. In diesem Shop findest du zum Beispiel gelbe Federn. Diese Federn lassen sich bei vielen Druckern verwenden, etwa beim Creality Ender 3 (pro, v2 usw.) oder beim Ender 5. Sie sorgen dafür, dass sich die großen Drehknöpfe weniger leicht drehen und etwas straffer gegen das Bett gedrückt werden. Dadurch verhinderst du, dass du dein ganzes Bett neu einstellen musst, wenn du versehentlich dagegenstoßt. Wenn du etwas geschickter bist, kannst du deinen Drucker mit einem Auto-Bed-Levelling-Sensor (ABL) erweitern. Wenn du zum Beispiel einen BL Touch anschaffst, kannst du dafür sorgen, dass dein Drucker vor jedem Druck dein Bett an 9 Stellen ausmisst und kalibriert. Kleine Unebenheiten werden dann vom Drucker selbst korrigiert. Es ist trotzdem noch nötig, das grobe Bed Levelling selbst in Ordnung zu bringen. Alles in allem musst du dein Bett jetzt viel seltener leveln und hast mehr Zeit, deinen Drucker an die Arbeit zu setzen!

Keep it clean!

Ich kann nicht oft genug betonen, dass das Druckbett unbeschädigt, sauber und vor allem fettfrei sein muss. Filament haftet nicht auf Fett! :) Sorge nach jedem Druck dafür, dass Reste von Draft und Support sauber vom Bett entfernt werden, so lästig das manchmal auch sein kann. Sorge dafür, dass deine Nozzle den idealen Abstand zu deinem Bett hat, sodass das Filament wirklich ein bisschen angedrückt wird, ohne dass es daraufgepresst oder von zu hoch abgelegt wird. Such die ideale Balance. Bei vielen Druckern kannst du während des Druckens den Z-Offset nachstellen; sieh im Internet nach, wie das bei deinem Drucker funktioniert. Fang also auch mit ein paar Testobjekten an, bevor du dieses eine schöne große Objekt startest. Sei vorsichtig mit Messern, Spachteln und anderen Hilfsmitteln, um deinem Druck zu Leibe zu rücken, wenn er nicht loslassen will. Jedes Krätzerchen siehst du beim nächsten Druck. Halte dein Heated Bed anschließend fettfrei, indem du es vor jedem Druck gründlich mit einem Mikrofasertuch (oder Papier) und Isopropylalkohol (auch Isopropanol oder IPA genannt) abwischst.

Lässt sich dein Druck nach all diesem Einstellen immer noch etwas zu leicht von der Druckoberfläche lösen? Dann kannst du Haftspray verwenden. Dieses Spray — wir verkaufen 3DLAC in zwei Varianten — sorgt dafür, dass beim Drucken zusätzliche Haftung entsteht. Nach deinem Druck kühlt dein Druckbett wieder ab und die Haftung nimmt ab, wodurch du deinen Druck wieder leicht vom Bett lösen kannst. Ideal!

Slicing-Software zum Slicen deines 3D-Objekts.

Wenn du etwas Cooles zum 3D-Drucken gemacht hast oder eine tolle Figur auf Seiten wie MyMiniFactory oder Thingiverse gefunden hast, musst du sie in deinen Drucker bekommen. Es wird Software gebraucht, um das 3D-Objekt für deinen 3D-Drucker fertig zu machen. Sogenannte Slicing-Software. Es sind verschiedene Programme (oder Apps) zu finden und jedes Programm hat seine eigenen Vor- und manchmal auch Nachteile. Ich selbst habe damit angefangen, Cura zum Slicen meiner Objekte zu verwenden. Ich benutze Cura noch immer für meine Drucke auf meinem (sehr getunten) Ender 3. Aber PrusaSlicer finde ich wiederum besser geeignet und abgestimmt auf meinen Prusa i3 MK3 mit MMU2S. Das sind 2 Beispiele für Software, aber es gibt mehr, wie zum Beispiel Simplify3D.

In dieser Software kannst du sehr genau angeben, welche Temperaturen verwendet werden sollen. Sieh auf deinem Filament genau nach, welche Temperatur sowohl für das Hotend als auch für das Heated Bed empfohlen wird, und fang an, damit zu experimentieren und zu variieren. Jeder Drucker ist anders und wird seine eigene Feinabstimmung brauchen. In vielen dieser Programme sind Presets (oder Voreinstellungen) für Filament- und Druckertypen eingebacken. Fiberlogy Filament, unser A-Marken-Premium-Filament, lässt sich zum Beispiel im PrusaSlicer als Preset auswählen.

Du musst dir auch das Objekt, das du druckst, genau ansehen: Ist Support nötig, um den Überhang zu stützen? Wenn du hoch in der Luft von der einen zur anderen Seite drucken musst, bekommst du es mit so einer blöden Sache wie der Schwerkraft zu tun. Dein Filament muss also gestützt werden. In vieler Slicing-Software wird der Support automatisch berechnet, aber du kannst dich auch dafür entscheiden, selbst anzugeben, wo genau du Supportmaterial verwenden willst. Auch ist es wichtig zu schauen, ob es genug Kontaktfläche zwischen dem Objekt und dem Druckbett gibt. Vielleicht ist dafür zusätzlich ein Raft oder ein Brim nötig. Damit sorgst du dafür, dass der Druck mehr Fläche bekommt und somit besser haftet. Allerlei Dinge, die du überlegen musst, bevor du auf den Druckknopf klickst! Ein Nachteil von Supports, Brims und Rafts ist, dass du nach dem Drucken eine Weile beschäftigt bist, alles sauber zu entfernen. 

Über Slicing-Software allein ließe sich ein ganzer Blog schreiben, mein Rat lautet also: herunterladen, ausprobieren und erleben. So wirst du schnell merken, was dir am besten gefällt und in Kombination mit deinem 3D-Drucker am praktischsten funktioniert.

Das Hotend und deine Nozzle müssen in Topzustand sein.

Ein weiteres sehr wichtiges Bauteil, bei dem viele Probleme auftreten können, ist die Nozzle, also die Düse, an der das Filament das Hotend verlässt. Überleg mal: Mit einer Genauigkeit von Zehntelmillimetern ist diese Nozzle für den Flow deines Filaments verantwortlich. Wenn hier etwas nicht gut läuft, wirst du das schnell merken. Eine Nozzle kann aus verschiedenen Materialien gefertigt sein, von Messing bis zu allerlei Varianten (gehärteten) Stahls. Jede Nozzle hat ihre starken und weniger starken Seiten und den dazugehörigen Preis. Es liegt ganz an dir, was du für eine Nozzle ausgeben willst. Worum es aber geht, ist, dass die Nozzle für die Filamentsorte geeignet ist, die du verwendest. Als Beispiel: Unser Holzfilament, Fiberlogy FiberWood, hat echte Holzfasern im Filament verarbeitet. Um den Durchgang dieses Filaments nicht zu behindern, wird dringend empfohlen, eine Nozzle mit einem Durchmesser von 0,5 mm zu verwenden. Also etwas größer als der meist standardmäßig mitgelieferte Durchmesser von 0,4 mm. Auch kann eine Nozzle mit der Zeit Reste von altem (verbranntem) Filament verschiedener Typen enthalten. Du wirst dann merken, dass dein Filament nicht mehr fließend strömt. Auch unterliegt eine Nozzle dem Verschleiß; bei einer großen Wartung ist es empfehlenswert, auch die Nozzle zu ersetzen, wenn sie Spuren von Verschleiß zeigt.

Achte gut darauf, welchen Nozzle-Typ du kaufst: Es gibt verschiedene Standards, die von verschiedenen 3D-Drucker-Herstellern verwendet werden. 2 dieser Varianten sind zum Beispiel die "MK7/MK8-Nozzles" und die "M6 E3D". Ziehe die Anleitung deines Druckers zurate, um zu bestimmen, welche Nozzle für deinen 3D-Drucker geeignet ist.

Prüf gleich auch die Ventilatoren bei deinem Hotend: Sind sie frei von Staub und können sie ungehindert drehen? Eine richtige Kühlung des Hotends und der Nozzle sorgt dafür, dass der flüssige Kunststoff allmählich wieder erstarrt, sobald er an seinen Platz gebracht wurde. Sei aber vorsichtig, denn du willst den Ventilator nicht beschädigen. Sollte unverhofft etwas schiefgehen, lässt sich der Ventilator mit etwas Mühe auch problemlos ersetzen.

Reinigen der Nozzle

Du kannst eine Nozzle gut pflegen; verwende dafür eine Bürste mit Metallborsten, so kannst du Reste von Filament von der Außenseite abschrubben. Aber auch die Innenseite kannst du gut sauber halten. Du kannst den sogenannten "Cold Pull" nutzen. Indem du deinen Drucker zuerst ordentlich hochheizt, auf etwa 240°C, löst sich alles schön. Lass anschließend die Temperatur auf 80°C sinken und zieh dann das Filament mit einem festen Ruck aus dem Hotend. Viele Reste werden mit nach draußen befördert. Wiederhole es bei Bedarf. 

Du kannst auch ein spezielles "Reinigungsfilament" verwenden. Mit diesem Filament werden Unregelmäßigkeiten mit nach draußen befördert. Ein Filament, das dafür ebenfalls oft verwendet wird, ist Glow in the dark Filament. Durch die Struktur unseres Fill 3D Glow in the dark Filaments werden viele Reste mit nach draußen befördert. Also abgesehen davon, dass du damit super coole Dinge drucken kannst, ist es auch noch praktisch, um deine Nozzle sauber zu halten. Win! :)

In die Tiefe — auf zum Feintuning!

Hast du all deine Sachen beisammen, dann kannst du noch viel mehr an deinem Drucker feintunen, als du am Anfang dachtest. Ich gebe dir ein paar Hinweise, worauf du achten kannst, um noch bessere Drucke zu bekommen. Zum Anfang kannst du die E-Steps einstellen. Damit sorgst du dafür, dass, wenn du 10 cm Filament haben willst, auch tatsächlich 10 cm des Filaments verwendet werden. Logisch, wirst du sagen, aber in der Praxis zeigt sich, dass du manchmal zu wenig Filament verwendest durch den Widerstand im Bowden-Tube, verschlissene Zahnräder oder eine Nozzle, die verstopft ist. Darüber gibt es viele Videos zu sehen!

Daneben kannst du mit einem Flow-Test und dem Nachstellen der Flow Rate auch bestimmen, wie viel Filament aus der Nozzle kommt. Bei so einem Test druckst du zum Beispiel ein kleines Wännchen, bei dem du die Dicke der Wände auf genau 0,8 mm einstellst. Anschließend misst du mit einem präzisen Messschieber, wie dick es tatsächlich ist. Danach kannst du eine Formel darauf loslassen und so die Flow Rate in deiner Slicing-Software einfach anpassen!

Let's go!

Das sind einige Ratschläge, die ich Leuten oft per Mail oder Telefon gebe. In vielen Fällen bekomme ich dann die Rückmeldung, dass es klappt. Deshalb fand ich es eine schöne Idee, hier etwas darüber zu schreiben. Vielleicht liegt das meiste auf der Hand, aber wenn du beim Lesen bis hierher gekommen bist, hoffe ich, dass du deinen Vorteil damit machen kannst! Du kannst immer Kontakt aufnehmen. Zum Schluss würde ich sagen: Sieh dich mal in meinem Lädchen um, such dir ein cooles Färbchen Filament aus und ab an den Druck! :)